Minister Brüderle will „die Gänsebratenspitze“ beim Strom kürzen

Immer mehr dezentral gewonnener Ökostrom

Nicht nur die Nachfrage nach Ökostrom steigt stetig an, auch das Angebot erneuerbarer Energien wächst kontinuierlich. Dabei wird ein hoher Anteil des Ökostroms von kleineren Kraftwerken wie Windräder oder Solaranlagen dezentral produziert und in ein Stromnetz eingespeist, das für eine zentrale Erzeugung in Großkraftwerken konzipiert ist. Um dieser neuen Entwicklung gerecht werden zu können, wird ein verbessertes Gesamtsystems benötigt, das den dezentral gewonnenen Ökostrom aufnimmt und dorthin leitet, wo er benötigt wird.

Brüderle fordert „Internet der Energie“

Vor diesem Hintergrund hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle auf dem „E-Energy-Kongress“ in Berlin ein „Internet der Energie“ eingefordert, in welchem die Akteure mit modernen Informations- und Kommunikationstechnologien vernetzt werden sollen, um Verbrauchsspitzen zu vermeiden. Bei extremen Spitzenauslastungen werden alte und eher schmutzige Kraftwerke für zusätzliche Energie zugeschaltet. Dadurch kann sich die Megawattstunde bis um das Hundertfache verteuern. Eine Vermeidung dieser Verbrauchsspitzen würde das System nicht nur günstiger, sondern auch sauberer machen. Solange es jedoch an preiswerten und leistungsfähigen Speicherlösungen fehlt, ist es am sinnvollsten, wenn Strom dann nachgefragt wird, wenn dieser im Überfluss bereitgestellt werden kann. Hierzu bedarf es flexibler Verbraucher und neuer Technologien für ein intelligentes Stromnetz.

E-Energy – eine mit 60 Millionen Euro geförderte Initiative der Bundesregierung

Seit Dezember 2008 werden Kernelemente für ein „Internet der Energie“ in der ressortübergreifenden Initiative „E-Energy“ in sechs Modellregionen (Cuxhaven, Rhein-Ruhr, Baden-Württemberg, Rhein-Neckar, Harz und Aachen) entwickelt und getestet. Das Wirtschaftsministerium unterstützt das Projekt bis 2012 mit 40 Millionen, das Umweltministerium mit 20 Millionen Euro und zusätzliche 80 Millionen Euro kommen von den jeweiligen Stromanbietern. In Cuxhaven verbrauchen beispielsweise die Kühlhäuser und das städtische Erlebnisbad vornehmlich Strom, wenn dieser günstig ist und viel Energie über die Windkraftanlagen eingespeist wird. Seit 2009 wird der „Energiebutler“ in mittlerweile 200 Privathaushalten in Mannheim getestet. Mit dessen Hilfe kann der Verbrauch gezielt gesteuert werden, indem dem Kunden mitgeteilt wird, wann erneuerbare Energien in großen Mengen eingespeist werden und am günstigsten sind. Ökostrom kann auf diese Weise nicht nur erfolgreicher, sondern auch kostengünstiger genutzt werden.

Aus- und Umbau der Verteilernetze

Um die neuen Technologien effizient nutzen zu können, muss das bestehende Gesamtsystem nicht nur aus-, sondern auch umgebaut werden. Brüderle geht von einem benötigten Ausbau des Stromnetzes um 3600 Kilometer aus. Laut Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, würde der Um- und Ausbau bis 2030 25 Milliarden kosten.

Energieeinsparungen und Senkung von Emissionen

Diesen Kosten stehen laut Werner Schnappauf, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Energieeinsparungen in Höhe von 600 Milliarden Euro gegenüber. Darüber hinaus rechnet er damit, dass die CO2-Emissionen bis 2020 durch ein intelligentes Gesamtsystem weltweit um 15 % gesenkt werden können.