Diabetes-Erkrankte neigen häufig zu Deprimiertheit und Entmutigung

Diabetes-Erkrankte neigen häufig zu Deprimiertheit und Entmutigung „Glücklicherweise können wir sagen, dass diese Aussage einerseits wahr ist, weil die Forschung in den letzten Jahrzehnten massive Fortschritte erzielt und die Behandlung des Diabetes deutlich erleichtert hat. Gleichsam ist die Festhaltung aber überaus trügerisch, kaschiert sie doch die weiterhin bestehenden, enormen Konsequenzen für den Betroffenen, die für Außenstehende kaum einsehbar sind. Immerhin vergessen viele Menschen: Die Zuckerkrankheit ist unberechenbar und lässt sich kaum von einem auf den anderen Tag planen. Wer sich in allzu großer Sicherheit wiegt, dass eine konstante Insulinverabreichung Überzuckerungen vermeiden möge, wird sich in der Praxis wundern: Eine heute funktionierende Medikation kann schon morgen wieder unzureichend sein. Und auch ein Zuckerwert hat nur temporäre Aussagekraft“, erklärt der Leiter der bundesweit arbeitenden Selbsthilfeinitiative zu Hormonellen und Stoffwechselerkrankungen, Dennis Riehle (Konstanz).

„Diese Unsicherheit ist ein Grund dafür, weshalb Diabeteskranke einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, psychisch zu erkranken. Der Mensch ist schon aus anthropologischer Sicht darauf ausgerichtet, in Verlässlichkeit zu leben. Andernfalls gerät er in Angst – die perfekte Grundlage für das Aufkeimen einer seelischen Dysbalance. Ich erkenne es an mir selbst: Auch wenn ich bereits weit vor meiner Zuckerkrankheit an mehreren psychischen Störungen litt, so bedeutete die Diagnose des Diabetes einen zusätzlichen Stressor, der mich nach langer psychischer Stabilität aus dem Gleichgewicht brachte. Es war vor allem die Sorge vor einer wachsenden Überforderung durch eine chronische Belastung, die schlagartig einer permanenten Aufmerksamkeit bedurfte. Denn die Gewissheit, dass extreme Hyper- oder Hypoglykämien im schlimmsten Falle im Delirium enden können, sensibilisierte nicht nur mich. Betroffene von Diabetes schildern übereinstimmend: Die Furcht begleitet den Erkrankten, einer Behinderung ausgeliefert zu sein, deren Verlauf nicht prognostizierbar ist“, erklärt der 37-jährige Psychologische Berater, der selbst an Diabetes erkrankt ist.

„Es geht nicht allein darum, pedantisch auf die Tabletteneinnahme zu achten. Das müssen viele Menschen. Diabetes bedeutet einen dauerhaften Lebenswandel – und das fällt gerade deshalb schwer, weil wir alle Gewohnheitstiere sind. Umbrüche in unserem Dasein sind stets mit einem Aufwühlen unserer Seele verbunden. Plötzlich eine stringente Diät einhalten, die Bewegung deutlich zu erhöhen und mehrmals täglich Zuckerwerte zu bestimmen, sie interpretieren und adäquat reagieren müssen – beispielsweise durch die Verabreichung der angemessenen Insulinmenge: All das nehmen viele Betroffene als einen großen Berg an Veränderungen wahr, der beispielsweise auch als bestimmendes Bild bei einer Depressionserkrankung vorherrscht. Der Prozess, sich in Grenzen einzufinden, die das Leben uns als Tatsache setzt, stellt keine Alltagsaufgabe dar, die wir aus unserer Routine kennen. Viel eher bedarf es dafür einer Anpassung, der sich nicht wenige Menschen unzureichend gewachsen sehen. Die Ursache für psychische Probleme bei einer Diabetes-Erkrankung sind somit exogener Natur, das heißt, sie rühren aus dem Umstand der Hilflosigkeit gegenüber den äußeren Einflüssen, für deren Auswirkungen wir uns Bewältigungsstrategien aneignen und sie wohl auch nicht selten lebenslang aktuell halten müssen“, formuliert Ernährungs- und Sozialberater Dennis Riehle in seiner aktuellen Stellungnahme.

„So scheint es notwendiger denn je, dass Diabetesbetroffene nicht nur ihren Zuckerspiegel im Blick behalten, sondern sich auch um ihre Seele kümmern. Wenngleich die Erkrankung mit keinem speziellen psychischen Störungsbild assoziiert ist, sind prinzipiell alle affektiven, neurotischen, somatoformen und Belastungskrankheiten als Folge oder Begleiterscheinung eines Diabetes denkbar. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene sich genau beobachten – und auch Hinweise auf mögliche Verhaltensänderungen durch ihre Angehörigen ernstnehmen. Typische Symptome wie ein sozialer Rückzug, ein negativiertes Stimmungsbild, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit, Panikreaktionen oder unerklärliche Körpersymptome wie Schmerzen können ein Anzeichen für ein aufkommendes psychisches Problem sein. Die Abklärung solcher Indizien sollte im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung durch den Hausarzt erfolgen, je früher umso besser. Denn gerade im chronifizierten Zustand ist die Behandlung seelischer Krankheiten komplex, schwierig und langwierig – besonders dann, wenn sie mit einer Grunderkrankung wie dem Diabetes auftreten“, so Riehle.

„Psychische Störungen sind keinerlei Grund für Scham. Mindestens jeder vierte Bundesbürger erkrankt in seinem Leben an solch einer Problematik. Das gesellschaftliche Stigma, das noch immer mit ihr verbunden ist, sollte niemanden davon abhalten, sich bei Bedarf in eine Psychotherapie zu begeben, eine Beratung in Anspruch zu nehmen oder eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Gerade verhaltenstherapeutische Maßnahmen versprechen bei raschem Einleiten der Behandlung recht große Erfolgsaussichten – und haben den positiven Nebeneffekt, nicht nur zu mehr seelischem Gleichgewicht beitragen zu können, sondern gleichsam praktische und nützliche Tipps für die Handhabung und Integrierung der Zuckerkrankheit in den Tagesablauf zu liefern. Mittlerweile gibt es vielerorts auf die Betreuung von Diabetespatienten geschulte Psychotherapeuten, welche den Fokus auf die kognitive Relativierung der scheinbar unüberbrückbaren Hürden im Kopf des Betroffenen lenken. Das von vielen Patienten gefürchtete „Wühlen in der Vergangenheit“ ist dabei meist nicht nötig. Stattdessen richtet sich das Augenmerk auf die Wiederherstellung eines sinnstiftenden Wohlbefindens und einer gesunden Betrachtung der Zuckerkrankheit als händelbaren Begleiter“, erklärt Dennis Riehle abschließend.

Die Selbsthilfeinitiative bietet bundesweit eine kostenlose Psychologische, Sozial-, Familien- und Ernährungsberatung per Mail an. Diese ist über die Webadresse: www.selbsthilfe-riehle.de erreichbar. Dennis Riehle steht mit seinem Engagement auch Verbänden und Vereinen der Selbsthilfe zur ehrenamtlichen Unterstützung zur Verfügung. Interessierte können sich jederzeit bei ihm melden.

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Schonvermögen für Grundsicherungsempfänger mit Handicap muss deutlich stärker erhöht werden!

Schonvermögen für Grundsicherungsempfänger mit Handicap muss deutlich stärker erhöht werden! Personen mit einem Handicap haben zahlreiche Mehrausgaben gegenüber Mitbürgern ohne eine Beeinträchtigung, weshalb es aus Sicht des Sozialberaters der Anlaufstelle „Beratung mit Handicap“, Dennis Riehle, dringend notwendig erscheint, dass behinderte Grundsicherungsbezieher ein höheres Schonvermögen zurückbehalten als Sozialhilfe- oder Bürgergeld-Empfänger ohne eine Beeinträchtigung: „Sie müssen eine gewisse finanzielle Flüssigkeit und Flexibilität behalten, weil das Risiko groß ist, dass sie kurzfristig Geld bereitstellen müssen – beispielsweise für unerwartet notwendig werdende Hilfsmittel, Wohnraumanpassung oder Selbstbehalte bei teuren Medikamenten, die teilweise eben nicht durch die Sozialleistungen abgedeckt werden. Es braucht daher für behinderte Personen einen größeren Spielraum, auf plötzliche Lebensveränderungen reagieren zu können. Dafür bedarf es mehr Beinfreiheit, was das Restvermögen angeht, welches Antragsstellern von Grundsicherung verbleiben kann, ehe sie einen Anspruch auf Unterstützung vom Staat haben“.

Riehle sieht die derzeitigen Höchstwerte als zu gering an, um schnell und unkompliziert reagieren zu können: „Bei Personen mit einem Handicap gibt es deutlich mehr unerwartete Eventualitäten als beim Durchschnittsbürger. Daher scheint es auch durchaus gerechtfertigt, wenn behinderten Menschen ein größerer Puffer gewährt wird, wenn es um materielle, finanzielle Mittel geht, die vom Zugriff durch die Sozialbehörden geschützt bleiben. Wir fordern daher den Gesetzgeber entsprechend zu einer Regelung auf, welche im Sinne des Nachteilsausgleichsgedanken Personen mit Handicap ein erkennbar höheres und in Abstand stehendes Schonvermögen zugesteht, das sich von jenem bei gesunden Leistungsbeziehern der Grundsicherung deutlich abhebt. Beeinträchtigten Sozialhilfe- und Bürgergeld-Empfängern muss eine gewisse Liquidität bleiben, um auf die für sie deutlich wahrscheinlicheren Unwägbarkeiten des Alltags adäquat eingehen zu können. Die bisherige Gesetzeslage ist in dieser Hinsicht vollkommen unzureichend und berücksichtigt den besonderen Hilfebedarf von Menschen mit Handicap in einer stiefmütterlichen Weise. Es braucht daher ein Signal von der Ampel-Koalition, dass man den herausragenden Anspruch an behinderte Personen, der sich aus ihren Zusatzausgaben ergibt, ernstnimmt und erkannt hat“, so Riehle abschließend.

Die Anlaufstelle „Beratung mit Handicap“ bietet Menschen mit und ohne Behinderung eine kostenlose Sozialberatung unter www.beratung-mit-handicap.de an, die bundesweit in Anspruch genommen werden kann.

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Psychosoziale Unterstützung für Hörbehinderte hat sich bewährt

Psychosoziale Unterstützung für Hörbehinderte hat sich bewährt Hörbehinderte Menschen erfahren aufgrund ihrer Beeinträchtigung weiterhin mannigfaltige Nachteile in ihrem alltäglichen Dasein, weshalb sie nicht selten auf psychosoziale Unterstützung angewiesen sind und vor allem durch Information, Aufklärung und mentale Stärkung in einem selbstbestimmten Leben gefördert werden können. Auf diesen Umstand macht die bundesweit tätige Anlaufstelle „Beratung mit Handicap“ aufmerksam, die Betroffenen und ihrem Umfeld Coaching per Mail anbietet. „Diese Kommunikationsform hat sich bewährt“, wie deren Leiter, der selbst hörbehinderte Berater Dennis Riehle (Konstanz), in einer aktuellen Aussendung meint. „So können uns Betroffene auf einfachem Weg ihr Anliegen mitteilen und erhalten eine Antwort schwarz auf weiß von mir zurück. Dabei geht es vor allem darum, praxisnahe Auskunft zu erteilen und konkrete Tipps für den Alltag zu übermitteln. Denn je stärker wir Hörbehinderte dazu befähigen, über Ansprüche und Rechte informiert zu sein, umso souveräner können sie ihr Leben ausgestalten. Das eigenverantwortliche Bewältigen von Herausforderungen stärkt das Selbstbewusstsein und lässt die stets präsente Behinderung in den Hintergrund treten“, führt der Psychologische Berater vom Bodensee aus. „Uns geht es im Coaching also um mentale Stärkung und eine durchtragende Seelsorge in Krisen, die man bei einer chronischen Beeinträchtigung zwangsläufig durchläuft und mit denen man oftmals unvorbereitet und plötzlich konfrontiert wird. Dann ist ein Instrumentenkasten an Selbsthilfemaßnahmen sehr nützlich, denn nicht immer steht sofort ein Psychotherapie-Platz zur Verfügung, um professionelle Unterstützung zu erfahren. Und die braucht es in vielen Fällen auch nicht. Denn solange keine ernstzunehmende Erkrankung vorliegt, genügt oftmals der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen, die selbst schon durch Täler gegangen sind und mit Tipps und Ratschlägen beistehen können, die ihnen in einer vergleichbaren Situation geholfen haben und nun auch von anderen Erkrankten als nützlich angesehen werden“, meint Dennis Riehle.

„Zudem wollen wir mit der Beratung der Betroffenen die Resilienz des Einzelnen ausbauen. Eine vornehmliche Aufgabe dabei ist es, die Aufmerksamkeit von der Behinderung wegzulenken“. Nach Ansicht des Sozialberaters spiele eine zu enge Fokussierung auf die Einschränkungen eine Rolle beim mangelnden Selbstwert: „Allzu sehr konzentrieren wir uns auf die Unzulänglichkeiten, statt unsere Stärken nach vorne zu rücken. Wir verharren in Mitleid mit uns und treiben die Spirale von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit an. Anpassung an die unverrückbaren Gegebenheiten ist gerade durch eine Veränderung eigener Glaubenssätze möglich, indem wir all das herausstellen, was uns abseits der Hörbehinderung auszeichnet und welche Fähigkeiten wir trotz und gerade wegen dieser Beeinträchtigung mitbringen. Denn ich weiß von mir selbst, dass ein Handicap kreativ und einfallsreich macht“, so Dennis Riehle. „Neben dieser Neuausrichtung der inneren Einstellung obliegt dem Coaching vor allem auch die Information. Mit Edukation über die eigene Erkrankung und das damit einhergehende Anrecht auf finanzielle und immaterielle Hilfestellungen im Alltag schaffen wir die Grundlagen, dass die Beantragung unterschiedlicher sozialer Transfer- und Ausgleichsleistungen möglich wird – beginnend vom Schwerbehindertenausweis, Gehörlosengeld, Pflegebedürftigkeit, über Arbeitslosengengeld, Erwerbsminderungsrente bis hin zu beruflicher und medizinischer Wiedereingliederung, Assistenzleistung oder Teilhabe an Bildung, Gesundheit und Gemeinschaft“, erklärt der gelernte Journalist. „Indem wir hörbehinderte Menschen mit Kenntnis über ihre Stellung im Sozialstaat ausstatten, machen wir sie zu mündigen Bürgern und ermöglichen hierdurch eine umfangreiche Partizipation inmitten unserer Gesellschaft. Deshalb soll es Ziel unserer Beratung sein, die Betroffene zunächst an die Hand zu nehmen, um ihnen Sicherheit und Mut zu geben. Und wenn wir das Gefühl haben, dass sie mit unseren Hinweisen gut klar kommen, lassen wir sie wieder los, damit sie mit Vertrauen zu sich ihre Baustellen anpacken und sich selbstbehauptend durch manche Unwägbarkeit streiten können“, so Riehle abschließend.

Die Anlaufstelle „Beratung mit Handicap“ ist bundesweit kostenlos für jeden Hilfesuchenden mit und ohne Behinderung unter der Webadresse www.beratung-mit-handicap.de erreichbar. Der Datenschutz und die Verschwiegenheit werden hierbei gewährleistet. Es findet lediglich eine allgemeine Sozialgesetzaufklärung statt, tiefergehende Einzelfallbewertungen sind Anwälten vorbehalten.

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Sozialberater mit Handicap berichtet von regelmäßigen Anfeindungen wegen klarer Positionen

Sozialberater mit Handicap berichtet von regelmäßigen Anfeindungen wegen klarer Positionen Der Leiter der Anlaufstelle „Beratung mit Handicap“, Dennis Riehle (Konstanz), berichtet von zunehmenden Anfeindungen wegen seiner Haltung zum Thema „Lebensschutz“. Der selbst behinderte Sozialberater hatte sich in der Vergangenheit vermehrt gegen Lockerungen der geltenden Abtreibungsregeln eingesetzt. Er begründete dies nicht zuletzt damit, dass auch Kinder mit einer Beeinträchtigung das Recht hätte, das Licht der Welt erblicken zu können. „Ich habe mir anhören müssen, dass es unverantwortlich und ethisch vollkommen inakzeptabel sei, Frauen zur Geburt eines gehandicapten Menschen zu zwingen. Auch sagte man mir, wonach ich als Mann überhaupt kein Recht habe, mich über den Körper einer Frau zu äußern. Und selbst aus der Behindertenszene gab es teils groteske Anmerkungen zu meinem Engagement. Menschen mit Handicap, die leben und das Leben genießen, haben mir sehr vorwurfsvoll geschrieben, dass sie sich wünschen würden, wonach kein Kind mit Behinderung mehr geboren wird, denn das Leid sei weder der Mutter, noch dem Kleinen zuzumuten. Welch ein Widerspruch in sich!“, empört sich Riehle, der dazu weiterhin ausführt: „Eine besonders prägende Nachricht hatte den Wortlaut: Hätten wir schon früher andere Gesetze zur Abtreibung gehabt, wären Sie uns vielleicht erspart geblieben!. Ich frage mich durchaus, welches Weltbild da vorherrscht, wenn man selbst ein erfülltes Dasein mit einem Handicap verbringt und gleichzeitig dafür wirbt, das heranwachsende Baby mit Beeinträchtigung bis zum letzten Tag vor der Geburt abtreiben zu können“. Riehle kritisiert vor allem, dass sich Anhänger für einen liberalen Schwangerschaftsabbruch anmaßen, über die Qualität des Lebens von einem Menschen befinden zu wollen, der noch nicht einmal geboren ist und dem es am Ende ganz ausschließlich selbst zusteht, über den Sinn und Wert seiner Existenz zu befinden. „Denn wir können nicht für Andere empfinden, jedes Individuum fühlt selbst. Es ist unerträglich, welche grotesken Blüten Emanzipation und Feminismus hervorbringen“, erklärt Riehle.

„Wer bereits einem Embryo in den Mund legen will, dass sein Hier und Jetzt nur von Kummer, Schwermut und Schwierigkeiten geprägt sein wird, handelt nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch übergriffig“. Eine Frau kann sich nicht allein auf ihr Selbstbestimmungsrecht berufen, sondern muss gleichzeitig erkennen, dass sie in der Evolution und der Gesellschaft zur Aufgabe befähigt ist, den Fortbestand des Menschen zu unterstützen und Nachwuchs die Möglichkeit auf ein eigenes Leben zu schenken. Sie kann sich, ebenso wenig wie der Mann, aus der Pflicht nehmen, bei fehlendem Familienwunsch durch die neuzeitigen Mittel der Verhütung zu verhindern, dass überhaupt eine Schwangerschaft eintritt. Sexualität ist wahrlich kein Spiel, denn sie ist mehr als Spaß und Hemmungslosigkeit. Daher sollte jeder Geschlechtsverkehr überdacht sein und im Zweifel geschützt verlaufen können, um nicht erst in die Bredouille zu kommen, über das Ende eine entstehenden Wesens entscheiden zu müssen“. Dass Riehle mit seinen Positionen auch in die Nähe der AfD gerückt wurde, stört ihn nicht: „Ich weiß, dass ich dort garantiert nicht hingehöre und mich auch stets von den rechtsradikalen Einlassungen dieser Partei distanziert habe. Aber konservativ mag ich in den gesellschaftspolitischen Fragen durchaus sein. Und gerade, weil ich selbst von einer Behinderung betroffen bin und trotzdem – oder gerade deshalb – weiß, wie schön es ist, mit Ecken, Macken und Kanten auf diesem Erdenkreis zu sein und das Geschenk zu genießen, ist mir völlig fremd, Kinder abtreiben zu wollen, weil wir glauben, eine Behinderung könne für sie zu einem unerträglich leidvollen Leben werden. Trauen wir Frauen, aber generell auch behinderten Menschen, endlich mehr Souveränität zu, als sie mit ideologischem Rat zu bevormunden!“.

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Parkinson-Selbsthilfeinitiative unterstützt bundesweit Betroffene und Angehörige durch Mailberatung

Parkinson-Selbsthilfeinitiative unterstützt bundesweit Betroffene und Angehörige durch Mailberatung Aus den Medien und den Beschreibungen in Büchern entnehmen wir, dass Parkinson vor allem eine Erkrankung des fortgeschrittenen Alters sei. Wir haben das Bild von gebückten und zitternden Menschen vor uns, die von der schweren neurologischen Störung gezeichnet sind. Kleinschrittigkeit, verlangsamter Gang, ein regungsloses Maskengesicht, angewinkelte Arme ohne Mitschwingen, ein steifes Erscheinungsbild und Probleme, sich aufrecht halten zu können: Typische Vorstellungen von der sogenannten „Schüttellähmung“ zeichnen häufig ein sehr stereotypes Dasein von Betroffenen einer Parkinson-Erkrankung, die durchaus auch schon jenseits der 30 auftreten kann und heutzutage glücklicherweise mit einer vielschichtigen Behandlung aus Medikamenten, Physio- und Ergotherapie, Schlafhygiene, Schmerzbewältigung, Stressreduktion und eine ergänzende Ernährungsanpassung gut in den Griff zu bekommen ist“, erklärt der Leiter der bundesweit tätigen Selbsthilfeinitiative „Parkinson in jedem Alter“, Dennis Riehle, entsprechend. „Als 37-jähriger Patient dieser degenerativen Krankheit weiß ich um die vielen Fallstricke, die gerade nach der Diagnose auf die Menschen zukommen. Nicht nur sie selbst, sondern auch das Umfeld, müssen sich auf den neuen Alltag mit solch einer komplexen Störung einstellen, was besonders am Anfang nicht immer leicht ist. Denn da zerplatzen Lebensträume und Vorstellungen eines vitalen Daseins, was auch zu psychischen Krisen führen kann. Daher ist es so entscheidend, nicht nur die Defizite zu sehen, sondern vor allem das herauszustellen und zu genießen, was eben noch möglich ist“, erläutert der gelernte Berater aus Konstanz – und meint: „Erfahrungsgemäß kann man mit der Zeit Widerstandskraft, eine seelische Resilienz, entwickeln. Durch sie fällt es leichter, eine gewisse Gelassenheit zu erlangen und sich nicht durch die zahlreichen Prüfungen, die ein solcher Parkinson an Betroffene und Angehörige stellt, unterkriegen zu lassen“.

Riehle begleitet Erkrankte und ihre Nächsten durch überregional erreichbare und kostenlose Mailberatung – und sagt: „Der Gedanke der Selbsthilfe hat seinen Sinn bis heute nicht verloren. Denn es ist am Ende gerade doch etwas Anderes, mit jemandem kommunizieren und sich austauschen zu können, der sich in einer vergleichbaren Lebenslage befindet und die Krankheit nicht nur aus Büchern kennt. Niederschwellige und vertrauensvolle Kontakte zwischen Betroffenen zu pflegen und sich gegenseitig zu ermutigen, diesen Anspruch verfolgt unsere Initiative“, so der Journalist – und fügt an: „Insbesondere geht es mir um Psychologische und Sozialberatung. Denn es bedarf Feingefühl, Parkinson-Erkrankten in ihrer jeweiligen Alltagssituation zu unterstützen und sie dort abzuholen, wo sie feststecken. Das kann beispielsweise das Gefühl völliger Überforderung oder Deprimiertheit sein. Aber auch praktische Fragen tauchen auf: Welche Rechte habe ich im Fall einer Erwerbsminderung? Wo beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis? Bestehen bereits Ansprüche auf Pflegeleistungen? Wer bezahlt Hilfs- und Heilmittel, damit ich im eigenen Zuhause besser klarkomme und nicht auch noch umziehen muss? Was kann ich selbst tun, um meine Wohnung barrierefreier zu gestalten? Wie lange erhalte ich im Zweifel Krankengeld und welche Möglichkeiten gibt es, medizinische und berufliche Rehabilitation für mich zu nutzen? Besteht Anrecht auf Grundsicherung? Wie kann ich mithilfe von Patientenverfügung und Vollmacht Vorsorge betreiben? Wohin kann ich mich wenden, wenn ich psychiatrische Hilfe benötige? Wie finde ich den passenden Arzt zur Diagnostik und Behandlung meiner Erkrankung? Gibt es Ratschläge zur Auswahl von Nahrungsergänzungsmitteln? Und kann ich die konservative Therapie durch alternative Ansätze erweitern? – All das sind Anliegen, die an mich herangetragen werden“.

Die Beratung der Selbsthilfeinitiative Parkinson in jedem Alter ist unter www.parkinson-in-jedem-alter.de bundesweit und kostenlos für Betroffene, Angehörige und interessierte Medienschaffende erreichbar. Datenschutz und Verschwiegenheit gelten.

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Keine Angst vor dem Frauenarzt: Auch Männer sollten regelmäßig ihre Brust abtasten!

Keine Angst vor dem Frauenarzt: Auch Männer sollten regelmäßig ihre Brust abtasten! „Ja, ich hatte auffallend ausgeprägte Brüste. Als Frau hätte ich damit vielleicht sogar punkten können. Allerdings war es mir als Mann stets unangenehm gewesen, meinen Oberkörper zu zeigen. Gleichwohl wusste ich, dass diese sogenannte Gynäkomastie als Folge meines diagnostizierten Hypogonadismus (Minderfunktion der inneren Keimdrüsen) nicht selten war – und auch bei Personen mit einem Klinefelter-Syndrom häufig auftraten. Deshalb versuchte ich auch über viele Jahre hinweg, mich mit diesem Umstand anzufreunden. Immerhin waren meine Proportionen ohnehin nicht dem heutigen Ideal entsprechend. Insofern hieß es, auch mit einer bestimmten Körbchengröße des Mannes zurecht zu kommen – schlussendlich ist das alles nur eine Frage des Selbstbewusstseins, sagte mir mein Psychotherapeut – und er lag damit keinesfalls falsch!“, beschreibt der heute 37-jährige Leiter der Selbsthilfeinitiative für Hormonelle und Stoffwechselerkrankungen, Dennis Riehle, seine Erfahrungen als Betroffener einer Brustbildung beim Mann – und möchte mit seinen persönlichen Worten für ein Thema sensibilisieren, welches ansonsten in der Öffentlichkeit kaum Aufmerksamkeit erfährt. „Doch als ich im Jahr 2015 erstmals bemerkte, dass meine Brustdrüse Sekret absonderte, wunderte ich mich doch nicht schlecht. Schwanger konnte ich nicht sein – und die Vergrößerung der beiden männlichen Mammae (Brüste) hatte mir bisher sonst auch keine größeren Beschwerden gemacht“, führt der Konstanzer weiter aus.

Er entschied sich, das Problem bei der jährlichen Untersuchung durch den Endokrinologen anzusprechen: „Merkwürdig war es schon, plötzlich abgetastet zu werden. Und dann seine Aussage: Ich will sie ja nicht beunruhigen, aber einen Knoten taste ich da schon. Zunächst musste ich da musste schon einmal schlucken und wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Sie kennen das ja bei Frauen, sagte er – und fuhr fort: Ich muss Sie jetzt zum Gynäkologen schicken. Und dann erwartet Sie vielleicht auch eine Mammographie“. Nein, das Wort „Brustkrebs“ sprach der erfahrene Mediziner nicht aus. Allerdings wusste Riehle, dass diese Erkrankung durchaus auch bei Männern auftreten kann – wobei das selten ist, bei Betroffenen eines Hypogonadismus allerdings doch vermehrt vorkommt. Und so zog er mit einer Überweisung zum Frauenarzt wieder ab – ohne zu wissen, welche Odyssee ihn daraufhin erwarten würde.

„Ich begann umgehend, bei örtlichen Gynäkologen anrufen. Peinlich war mir das schon. Und die Antworten sollten mir recht geben: Sie telefonieren hier mit einer Frauenarzt-Praxis!, schmetterte mir eine Sprechstundenhilfe entgegen. Gehen Sie zum Urologen!, fauchte mich eine andere an. Etwas weniger undiplomatisch die dritte: Es tut mir leid, aber wir können eine gynäkologische Untersuchung beim Mann nicht bei der Kasse abrechnen“. In diese Richtung ging es also offenbar: Männer sind beim Frauenarzt nicht vorgesehen, es gab keine passende Ziffer für sie, um die entsprechende Leistung bei der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen zu können – und damit für Riehle auch zunächst keine Chance, einen Termin zu erhalten. Doch das konnte es aus seiner Auffassung nicht sein: „Ich war doch sicherlich nicht der erste Mann, dem es so erging. In verschiedenen Foren las ich in Folge viele gleichlautende Erfahrungen. Mehrere Betroffene hatten es aufgegeben, sich weiter derart erniedrigen zu lassen – und nahmen damit auch in Kauf, möglicherweise an einem unentdeckten Mammakarzinom des Mannes zu erkranken. Mein Gerechtigkeitsempfinden sagte mir deshalb, dass ich mich an die Politik wenden sollte. Mit einer Petition an den baden-württembergischen Landtag brachte ich mein Anliegen vor – und offenbar war niemandem bekannt, dass es tatsächlich ein Problem in der bestehenden Gesetzeslage gab. Umso erstaunter war ich dann aber doch, dass man sich der Eingabe sehr schnell annahm – und sie zum Erfolg führte!“, so Riehle.

Das Parlament beschloss, die gynäkologischen Kassenärzte zukünftig zu ermächtigen, Untersuchungsleistungen beim Mann abrechnen zu können. Über die entsprechende Entscheidung wurde der Journalist rasch informiert, die Vertragsärzte umgehend über die Neuregelung in Kenntnis gesetzt. „Ich selbst wollte die Umsetzung aber nicht abwarten – und hatte über meine zuständige Endokrinologie postwendend einen Termin zur Diagnostik in der gynäkologischen Uniklinik erhalten. Neben einer Bildaufnahme der Brüste wurde ich von einem Frauenarzt sehr einfühlsam befundet und im Zusammenspiel mit meiner Anamnese über die Möglichkeiten für die Ursache der anhaltenden Absonderung aus der Brustdrüse und den Knoten unterrichtet. Letztendlich konnte ich aufatmen und erhielt das Ergebnis, dass es sich lediglich um einen Milchstau handelte, wenngleich man davon beim Mann wohl fachkundig nicht sprechen würde. Der Grund dafür lag in einem außer Kontrolle geratenen Prolaktin-Spiegel, der aufgrund meiner komplexen Hormonsituation und einer Veränderung in der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) zustande kam“, erklärt der Autor.

Wenngleich in seinem Fall also glücklicherweise das Thema „Brustkrebs“ nicht mehr im Raum war, empfiehlt er als Leiter einer entsprechenden Selbsthilfeinitiative allen Betroffenen mit Hypogonadismus unterschiedlicher Ursache, sich bei einer Gynäkomastie oder auffallendem Brustgewebe untersuchen zu lassen: „Ja, auch bei Männern sollte eigenes Abtasten zu einer Normalität werden. Es gibt keinen Grund zur Scham, stattdessen muss uns unsere Gesundheit so viel Wert sein, über den eigenen Schatten zu springen und uns nicht von oberflächlichem Macho-Gehabe in der Öffentlichkeit beeindrucken zu lassen. Brustkrebs ist keine Lappalie, sondern gerade beim männlichen Geschlecht oftmals mit sehr unguten Verläufen verbunden – die sich allemal verhindern lassen. Prävention sollten wir also alle betreiben – denn ohne Vorsorge könnten wir früher oder später einmal das Nachsehen haben“, formuliert Riehle abschließend – und teilt seine Erfahrungen gern mit anderen Betroffenen, die ihn jederzeit kontaktieren können: info@selbsthilfe-riehle.de.

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